
Hamburg. Elbe.
Eine Frau, die beschließt,
nie wieder Opfer zu sein.
Ein Thriller über Selbstermächtigung.
Worum es in diesem Thriller geht
Ein Mord. Eine vertuschte Wahrheit. Eine Frau, die nicht mehr schweigt.
Vor zweieinhalb Jahren stirbt Neeles Familie bei einem angeblichen Autounfall in der Elbe. Die Polizei spricht von einem tragischen Unglück. Keine Fremdeinwirkung. Keine Ermittlungen. Der Fall wird geschlossen.
Lisa lebt in Berlin. Sie schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch und jagt gemeinsam mit Ünal und Imany neuerdings Prämien für ungelöste Fälle – riskante Recherchen für schnelles Geld.
Ihr erster Auftrag führt sie nach Hamburg, in die glitzernde Welt der Modedesignerin Berit Hansen. Doch hinter Luxus und Erfolg lauert ein Verbrechen, das um jeden Preis verborgen bleiben soll.
Je näher Lisa der Wahrheit kommt, desto deutlicher wird:
Die Jagd hat begonnen – und Lisa ist das Ziel.
„Nie wieder Opfer: Totgesagt“ ist ein packender Hanseatic-Noir-Psychothriller über Identität, Rache, Macht und eine Frau, die bis zum Äußersten geht.
Lies den Anfang der Geschichte.
Leseprobe – Kapitel 1
„Da hat sich aber jemand die Lichter ausgeschossen.“ Neele schaut zu ihrem langsam wegdämmernden Mann auf dem Beifahrersitz.
„Du liebst mich trotzdem, oder?“, lächelt Hauke vor sich hin.
„Vermutlich sogar mehr als deine Abteilungsleiterin, mit der du so ‚interessant‘ über die Tanzfläche gestelzt bist.“
Hauke merkt auf. Neele hatte es also beobachtet?
Leider ja. Sie war bereits in der Firma in Boberg eingetroffen, um ihn von der Betriebsfeier abzuholen, als er – der absolute Nichttänzer – zu einem der demütigendsten gesellschaftlichen Rituale genötigt worden war, seit es Lohnarbeit gibt: dem obligatorischen Tanz mit der oder dem Vorgesetzten. Wahrscheinlich beginnt man schon deshalb auf solchen Feiern sehr früh mit dem hemmungslosen Trinken. Weil man nüchtern viel zu viel Scham und Würde besitzt, um das zu tun, was unbedingt zur Betriebsfeierfolklore gehört.
Neele dreht die Schraube noch ein bisschen weiter: „Ich habe es nicht nur gesehen, sondern natürlich mein Smartphone gezückt und alles dokumentiert.“
Hauke ist sich sicher, dass dieser Tanz einen festen Platz in ihrer Familiengeschichte bekommen wird. Er versucht, die Reste seines vom Rotwein reichlich beschossenen Gleichgewichtssystems mit Neeles sportlicher Fahrweise in Einklang zu bringen. Eigentlich hat die Bundesstraße 5, auf der sie Richtung Lauenburg nach Hause fahren, eine verhältnismäßig neue, intakte Fahrbahndecke. Doch Haukes Magen meldet unruhig etwas ganz anderes ans Gehirn. Der hat nämlich das Gefühl, gerade über eine Buckelpiste zu rattern. Und das ist nicht gut.
„Kannst du mal anhalten?“, bittet er schließlich kurz hinter Escheburg.
Selbstverständlich fährt Neele bei der ersten Gelegenheit rechts ran. Das hätte jede für ihren Liebsten gemacht. Es sei denn, man wüsste, dass etwas passieren wird, wenn sie jetzt anhalten. Aber so etwas kann man zum Glück nicht wissen. Denn das Leben wird nach vorne gelebt, ohne auch nur die nahe Zukunft voraussehen zu können. Erst im Rückblick zeigt sich, was fatale Fehlentscheidungen waren.
Neele lenkt ihren Wagen auf einen menschenleeren, zugewachsenen Parkplatz, dessen Boden von zwei tiefen Fahrrinnen und in den Matsch eingesunkenen Ästen durchzogen ist. Büsche, Gestrüpp und Unkraut haben sich über den Sommer wild wuchernd aufgetürmt, sind aber jetzt im November schon deutlich zusammengesackt und modern langsam einem matschigen Winter entgegen. Alte Reifen, benutzte Taschentücher und zwei zerlöcherte Plastiktüten mit Müll komplettieren das Bild. Die besten Stücke Abfall sind längst von Krähen, Ratten oder vom Dachs geholt worden. Die Scheinwerfer erfassen kurz einen verrosteten Stacheldrahtzaun, bevor sie in einer eingewachsenen Ecke des Parkplatzes anhalten.
Hauke steigt aus, atmet tief die kalte Luft ein und lehnt sich mit einem Seufzen an den Kotflügel. Neele macht den Motor aus, dreht sich um und wühlt auf der Rückbank herum. Es ist zu dunkel, um etwas zu erkennen. Sie ertastet eine angebrochene Packung Zwieback – genau das Richtige für einen rebellierenden Magen. Als ihre Autotür zufällt, schalten sich die Scheinwerfer automatisch aus. Jetzt ist es stockdunkel. Neumond.
„Hier“, sie hält ihm den Zwieback hin.
Hauke nimmt artig einen krachenden Bissen.
Kurz darauf fährt ein Polizeifahrzeug auf den Parkplatz. Eine Wanne schaukelt durch die Fahrrinnen und bleibt dann stehen. Der Motor wird ausgestellt. Die Scheinwerfer gehen aus. Dann passiert nichts mehr.
Neele runzelt die Stirn: „Okay?!“
Hauke hört lediglich auf, seinen trockenen Zwieback weiter mit den Backenzähnen zu zermahlen. Natürlich glaubt er nicht, dass die Polizisten in einer rund fünfzehn Meter entfernten Wanne das in seinem Kopf ohrenbetäubende Krachen wahrnehmen können. Er möchte nur selbst hören, was für Geräusche von dort herüberdringen. Absolut keine. Es steigt weiterhin niemand aus. Und am merkwürdigsten ist vielleicht ein kleines Detail: nicht einmal die Bildschirme von Handys leuchten auf. Dabei würde doch jeder halbwegs normale Mensch sofort dem Drang nachgeben, auf das Display zu starren.
Gelegentlich rauschen Autos vorbei. Dann verändert sich das Geräusch eines sich nähernden Fahrzeugs. Es wird tiefer. Leiser. Ein Transporter fährt auf den Parkplatz. Er passiert Neele und Hauke und hält dann direkt neben der Wanne. Das ist der Moment, in dem sie sich gleichzeitig hinter ihrem Wagen verstecken.
Zwei Männer steigen aus dem Transporter und zünden sich Zigaretten an. Durch die Innenbeleuchtung des Transporters ist zu erkennen, dass der größere drahtig schlank ist, mit rasiertem Schädel. Der kleinere hat einen Bauch und tätowierte Unterarme.
Jetzt steigen zwei Polizisten aus dem Polizeitransporter und nähern sich ihnen. Einer wirkt noch recht jung, Anfang zwanzig vielleicht. Beide haben ihre Waffen gezückt.
„Easy, Jungs“, beschwichtigt der Tätowierte.
Doch die Polizisten bleiben starr. Offensichtlich haben sie einen Plan. Der jüngere geht auf die beiden Männer zu, untersucht sie nacheinander auf Waffen, während der andere weiter auf sie zielt. Dann nimmt er den Autoschlüssel des Fahrers an sich, verschließt den Wagen per Knopfdruck. Das kalte Klacken des Schließmechanismus ist deutlich zu hören. Neele erinnert es an ein zuschnappendes Kofferschloss.
Der ältere Polizist – er trägt einen exakt geschnittenen Vollbart – öffnet die Seitenklappe der Wanne. Die Innenbeleuchtung schaltet sich ein. Mehr ist für Hauke und Neele nicht zu erkennen, weil der Transporter ihnen die Sicht versperrt. Die Männer untersuchen etwas. Dann öffnet der große, dünne Typ die Seitentür seines Transporters. Die Türen stehen jetzt direkt gegenüber, vielleicht in einem knappen Meter Abstand. Und es wird klar, was dort vor sich geht. Etwas wechselt aus dem Polizeiwagen in den Transporter. Menschen? Pakete? Waffen? Drogen? Sie wissen es nicht. Aber sie wissen, dass sie jetzt Zeugen von etwas sind, bei dem sie besser nicht dabei wären.
Hauke dreht sich zu Neele: „Spätestens, wenn sie hier rausfahren, entdecken sie uns.“
Neele deutet auf ihre Beifahrertür, die nur angelehnt ist. Sollen sie sich ins Auto schleichen? Hauke nickt. Vorsichtig öffnen sie sie einen Spalt, Neele krabbelt zuerst hinein und rutscht über den Beifahrersitz auf ihren Fahrersitz. Dann will Hauke auf den Beifahrersitz steigen und tritt dabei auf die fast leere Packung Zwieback, in der die restlichen Scheiben krachend bersten. Atemlose Stille bei Neele und Hauke, die Männer haben anscheinend nichts gehört. Neele rutscht tief in ihren Sitz, so dass sie gerade noch mit den Augen über das Armaturenbrett sehen und die Szene weiter verfolgen kann. Hauke will die Wagentür leise heranziehen, als genau in dem Moment von ihrer Rückbank ein lautes Geräusch dringt.
„Aaaahhhr!“
Über den Autor
Thomas Schwank arbeitet seit vielen Jahren als Autor und Drehbuchautor.
Seine Filme liefen im Fernsehen und auf Festivals.
Neben seiner Arbeit als Autor betreibt er die Hundeseite DOGZINE, eine Plattform für Themen rund um Rassehunde und Zucht.
Mit dem Thriller Nie wieder Opfer – Totgesagt veröffentlicht er seinen ersten Roman.